Jiu Jitsu

Um den Begriff  ‚Kriegskunst‘ aus heutiger Sicht im Sinne der japa­nischen Kultur besser verstehen zu können, ist es notwendig zwischen zwei grundsätzlich unterschiedlichen Begriffen unterscheiden zu können: budo („der Weg des Kampfes“) und bujutsu (‚Kampftechnik‘, auch als bugei bezeichnet).

Unter jutsu (‚wahr‘, ‚Technik‘) versteht man eine Kampffertigkeit, Wissenschaft oder Technik, verwurzelt in der Tradition einer bestimmten Schule (ryu), und erst nach langjährigem Training erlernbar. Der Begriff ist ursprünglich mit allen ‚gewalttätigen‘ Kriegskünsten verbunden, ebenso wie der Begriff do allen Kriegs­künsten zugesprochen wird, die nicht für den echten Kampf ausgelegt sind.

Abgesehen von ju-jutsu beinhalten alle Kriegskünste mit dem Element jutsu auch noch den Namen der Waffe, die verwendet wird (zB. kyu-jutsu, jo-jutsu,…).

Der Affix ju im Begriff ju-jutsu kann mit ‚weich‘, ‚anpassungsfähig‘, ‚harmonisch‘ oder auch ’sanft‘ übersetzt werden. Jedes dieser Worte trifft den Sinn aber nur teilweise. Das Konzept des ju versteht sich sowohl im mentalen wie auch im physischen Kontext; es impliziert Anpassungsfähigkeit und Geschmeidigkeit ebenso wie Geschwindigkeit und Kraft. Ganz so wie ein Bambusrohr, das dem Gewicht des Schnees nachgebend sich biegt bis die Schneelast abfällt und der Bambus sich mit mehr Kraft und Geschwindigkeit aufrichtet, als beim Biegen durch den Schnee aufgewendet wurde. Es ist das ständige Wechselspiel von Nachgeben und Widerstand, welches das Prinzip des ju ist, das im übrigen alle japanischen Kampfmethoden zu dem dynamischen System macht, das sie auszeichnet. Ju steht somit in direktem Gegensatz zum Prinzip der Kraft, Härte (go).